MSM – Wirkung auf Gelenke, Regeneration und Entzündungsprozesse
MSM, ausgeschrieben Methylsulfonylmethan, ist eine natürlich vorkommende organische Schwefelverbindung, die vor allem als Supplement für Gelenke und Regeneration bekannt ist. Besonders häufig wird MSM von Sportlern eingesetzt, die ihre Gelenke unterstützen oder die Belastung durch intensives Training besser verkraften möchten.
Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich dabei vor allem mit drei Bereichen: Gelenkbeschwerden, entzündlichen und oxidativen Prozessen sowie der Regeneration nach körperlicher Belastung. Die bisherigen Ergebnisse sind durchaus interessant, allerdings deutlich differenzierter, als es manche Werbeversprechen vermuten lassen.
Was ist MSM?
Methylsulfonylmethan ist eine schwefelhaltige Verbindung, die natürlicherweise in sehr kleinen Mengen im menschlichen Körper sowie in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen kann. Schwefel ist Bestandteil zahlreicher biologischer Strukturen und kommt unter anderem in schwefelhaltigen Aminosäuren und Proteinen vor. Dadurch besitzt er eine wichtige Bedeutung für verschiedene Gewebe und Stoffwechselprozesse.
MSM wird als Nahrungsergänzung jedoch nicht einfach deshalb interessant, weil es Schwefel liefert. In experimentellen Untersuchungen wurden zusätzlich verschiedene Effekte auf oxidative und entzündliche Signalwege beobachtet. Genau diese Eigenschaften haben dazu geführt, dass MSM insbesondere im Zusammenhang mit Gelenkgesundheit und körperlicher Belastung untersucht wird.
MSM und Gelenkbeschwerden
Der am besten untersuchte Einsatzbereich von MSM betrifft die Gelenke.
Besonders viele Daten existieren bei Personen mit Beschwerden im Kniegelenk beziehungsweise Kniearthrose. In einer randomisierten, doppelblinden Studie erhielten 50 Männer und Frauen mit Kniearthrose über zwölf Wochen entweder sechs Gramm MSM täglich oder ein Placebo. In der MSM-Gruppe verbesserten sich verschiedene Parameter bezüglich Schmerzen und körperlicher Funktion gegenüber Placebo. Die Autoren betonten allerdings ausdrücklich, dass es sich um eine relativ kleine Pilotstudie handelte und größere Untersuchungen notwendig sind.
Eine weitere randomisierte Untersuchung mit 49 älteren Teilnehmern kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Nach zwölf Wochen MSM-Supplementierung zeigten sich Verbesserungen verschiedener Parameter der Gelenkfunktion, während die Effekte auf einzelne Schmerzparameter weniger eindeutig ausfielen.
Was zeigen neuere Studien?
Auch jüngere Untersuchungen beschäftigen sich weiterhin mit MSM und Gelenkbeschwerden. In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie aus dem Jahr 2023 wurden 88 gesunde Erwachsene mit leichten Knieschmerzen untersucht. Die Teilnehmer erhielten über zwölf Wochen entweder zwei Gramm MSM täglich oder ein Placebo. Am Ende der Untersuchung zeigten sich bei der verwendeten Bewertung der Kniebeschwerden Unterschiede zugunsten der MSM-Gruppe. Gleichzeitig wurde die Einnahme innerhalb des Untersuchungszeitraums gut vertragen.
Das ist für die praktische Einordnung interessant, weil hier nicht ausschließlich Menschen mit diagnostizierter Arthrose untersucht wurden, sondern Personen mit vergleichsweise milden Beschwerden. Trotzdem sollte auch aus dieser Studie nicht abgeleitet werden, dass MSM grundsätzlich jedes belastete Gelenk schützen oder strukturelle Schäden reparieren kann.
MSM und Entzündungsprozesse
Ein weiterer häufig diskutierter Effekt von MSM betrifft Entzündungsprozesse. Labor- und Tierstudien zeigen, dass MSM verschiedene Signalwege beeinflussen kann, die an der Regulation von Entzündungsreaktionen beteiligt sind.
Besonders häufig wird dabei der Transkriptionsfaktor NF-κB untersucht. Dieser spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation verschiedener entzündungsbezogener Gene. Experimentelle Daten deuten darauf hin, dass MSM die Aktivierung bestimmter entzündungsfördernder Signalwege beeinflussen kann.
Solche Mechanismen sind ein möglicher Erklärungsansatz dafür, warum in Humanstudien teilweise Veränderungen bei Schmerzen, oxidativem Stress oder Regenerationsparametern beobachtet werden. Ein biochemischer Mechanismus ist allerdings noch kein Beweis für einen klinisch relevanten Effekt. Entscheidend bleiben kontrollierte Untersuchungen am Menschen.
MSM und Regeneration nach dem Training
Gerade für Sportler ist die Frage interessant, ob MSM nicht nur die Gelenke, sondern auch die Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten beeinflussen kann. In einer Pilotstudie erhielten gesunde Männer über mehrere Wochen entweder 1,5 oder 3 Gramm MSM täglich. Nach einem intensiven Beintraining wurden unter anderem Muskelkater, Müdigkeit, antioxidative Kapazität und Trainingsleistung untersucht.
Bei drei Gramm MSM zeigte sich ein Trend zu geringerem Muskelkater. Außerdem wurden Veränderungen bestimmter antioxidativer Marker beobachtet. Die tatsächliche Trainingsleistung verbesserte sich jedoch nicht signifikant. Das ist ein wichtiger Punkt: MSM scheint nach aktueller Datenlage eher potenziell für die Erholung von Belastung interessant zu sein als als direkt leistungssteigerndes Supplement.
Weniger Muskelschäden durch MSM?
Eine weitere Untersuchung mit 18 jungen Männern beschäftigte sich mit trainingsinduzierten Muskelschäden. Die Teilnehmer erhielten zehn Tage lang MSM oder ein Placebo und absolvierten anschließend einen 14-Kilometer-Lauf. In der MSM-Gruppe fielen bestimmte Marker für Muskelschädigung und oxidativen Stress günstiger aus. Gleichzeitig zeigte sich eine höhere antioxidative Kapazität nach der Belastung.
Auch eine separate Untersuchung derselben Forschungsgruppe zeigte niedrigere Marker des trainingsinduzierten oxidativen Stresses nach einer MSM-Supplementierung. Diese Ergebnisse unterstützen die Vermutung, dass MSM bestimmte Belastungsreaktionen nach intensivem Sport beeinflussen könnte. Die Studien waren jedoch klein und sollten daher nicht überinterpretiert werden.
Was zeigt die Forschung bei Ausdauersportlern?
Eine besonders interessante Studie untersuchte MSM bei Teilnehmern eines Halbmarathons. 22 Läufer erhielten drei Wochen vor dem Rennen entweder drei Gramm OptiMSM® täglich oder ein Placebo. Nach dem Halbmarathon stiegen erwartungsgemäß Muskel- und Gelenkschmerzen sowie verschiedene Marker von oxidativem Stress und Muskelschädigung an. Die MSM-Gruppe berichtete zwar über geringere Muskel- und Gelenkschmerzen, die Unterschiede zwischen den Gruppen erreichten jedoch keine statistische Signifikanz.
Auch bei den untersuchten Markern von Muskelschäden und oxidativem Stress zeigte sich kein eindeutig signifikanter Vorteil. Die Studie ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie vorsichtig die Daten interpretiert werden müssen. MSM besitzt interessante Hinweise auf einen Regenerationseffekt – aber nicht jede kontrollierte Untersuchung bestätigt diesen eindeutig.
MSM ist kein klassisches Performance-Supplement
Es gibt derzeit keine überzeugende Evidenz dafür, dass MSM unmittelbar Kraft, Muskelmasse oder Ausdauerleistung deutlich steigert. Der mögliche Nutzen liegt eher darin, Belastungsreaktionen des Körpers zu beeinflussen.
Dazu gehören:
- Muskel- und Gelenkbeschwerden
- oxidative Prozesse
- entzündliche Signalwege
- Erholung nach intensiver Belastung
Für Sportler könnte MSM deshalb vor allem dann interessant sein, wenn hohe Trainingsumfänge regelmäßig zu starken Belastungen von Muskulatur und Gelenken führen.
Kann MSM Knorpel und Bindegewebe aufbauen?
MSM wird häufig als Schwefelquelle für Knorpel, Kollagen und Bindegewebe beworben. Schwefel ist tatsächlich Bestandteil zahlreicher biologischer Moleküle und besitzt eine wichtige Bedeutung für verschiedene Gewebestrukturen. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass zusätzlich aufgenommenes MSM gezielt neuen Gelenkknorpel aufbaut. Die bisherige Humanforschung untersucht hauptsächlich Symptome wie Schmerz, Beweglichkeit und körperliche Funktion. Ein klarer Nachweis, dass MSM beim Menschen strukturell beschädigten Knorpel wiederherstellt, fehlt bislang. Hier sollte deshalb zwischen einer möglichen Unterstützung der Gelenkfunktion und einer tatsächlichen Regeneration beschädigter Gelenkstrukturen unterschieden werden.
MSM und oxidativer Stress
Intensives Training führt vorübergehend zu einer erhöhten Produktion reaktiver Sauerstoffverbindungen. Dieser oxidative Stress ist nicht grundsätzlich negativ. Er gehört teilweise sogar zu den Signalprozessen, über die sich der Körper an Training anpasst.
Übermäßig starke oxidative Belastungen können jedoch mit Muskelschäden und längerer Regenerationszeit verbunden sein. Mehrere kleinere MSM-Studien zeigen Veränderungen antioxidativer Marker nach körperlicher Belastung. Auch neuere Forschung beschäftigt sich mit dem Einfluss von MSM auf Gene, die mit Entzündungs- und Immunreaktionen nach Ausdauerbelastungen verbunden sind.
Diese Daten sind interessant, befinden sich jedoch noch in einem relativ frühen Stadium. MSM sollte daher nicht als universelles Antioxidans betrachtet werden, das sämtliche trainingsbedingten oxidativen Prozesse unterdrücken muss.
Welche Mengen wurden in Studien untersucht?
Die in Humanstudien eingesetzten Mengen unterscheiden sich teilweise deutlich. Bei Untersuchungen zu Gelenkbeschwerden wurden häufig Dosierungen zwischen ungefähr zwei und sechs Gramm MSM pro Tag eingesetzt. Auch im Sportbereich wurden beispielsweise drei Gramm täglich über mehrere Wochen untersucht.
Wie sicher ist MSM?
MSM gilt insgesamt als vergleichsweise gut verträglicher Stoff. Eine umfassende wissenschaftliche Übersichtsarbeit beschreibt in Humanstudien überwiegend milde beziehungsweise wenige unerwünschte Effekte.
Auch Dosierungen im Bereich mehrerer Gramm täglich wurden in Studien über mehrere Wochen eingesetzt. Zu den gelegentlich beschriebenen Beschwerden zählen vor allem leichte gastrointestinale Symptome.
Fazit
MSM gehört zu den interessanteren Supplements im Bereich Gelenkgesundheit und Regeneration. Die stärkste Humanstudienlage existiert derzeit bei Gelenkbeschwerden. Mehrere kontrollierte Untersuchungen zeigen Hinweise darauf, dass MSM Schmerzen und körperliche Funktion bei bestimmten Personengruppen verbessern kann.
Auch im Sportbereich gibt es erste Hinweise auf mögliche Vorteile bei Muskelkater, oxidativem Stress und trainingsbedingten Muskelschäden. MSM sollte deshalb weniger als klassischer Leistungsbooster verstanden werden. Interessanter ist der Wirkstoff als mögliche Unterstützung bei Gelenkbelastung, Regeneration und körperlichem Stress.
Quellen:
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